Unabhängige Forschung
- eine Aufgabe freier Akademien
"Selbst wenn du nur die Minderheit von einer einzigen Person bist, bleibt die Wahrheit immer die Wahrheit."
Mahatma Gandhi
Unabhängige Wissenschaft ist überlebenswichtig - durch sachfremde Interessen manipulierte "Wissenschaft" hingegen schadet der menschlichen Zivilisation.
Die freie Akademie sucht daher nach Wegen, unabhängige Forschung zu fördern und zu praktizieren. Das betrifft Forschung im engeren Sinn, aber auch alles, was damit zusammenhängt: wissenschaftliche Bildung, Aufklärung und Literatur, Recherche, Presse, Informationsveranstaltungen, Kundgebungen, Kunst etc. Die Folgen korrumpierter Wissenschaft sind fatal. Schädliche oder mangelhafte medizinische, landwirtschaftliche und technische Produkte überfluten den Markt: Medikamente mit extremen Nebenwirkungen, umweltschädliche Chemikalien (Kunststoffe, Pestizide, Schwermetalle etc.), Wegwerfprodukte, geplanter Ver-schleiss und krankmachende Mobilfunktechnik werden von dieser unfreien "Wissenschaft" und der ihr folgenden Presse als "un-bedenklich" verharmlost.
Politik und Zeitgeschehen werden ebenfalls nicht objektiv als das erforscht und dargestellt, was sie sind; ebenso wenig wie die tieferen Ursachen sozialer Missstände: Massenelend, Armut und Krieg. Ein Schwall von Unwissenheit, ja bewusster Fehldarstellung (z.B. gekaufte Wissenschaft) ergiesst sich über die Bevölkerung, welche deswegen die Ursachen vieler Missstände nicht richtig ein-schätzen kann, falsche Feindbilder imaginiert und sich auf falsche Lösungswege fokussiert: Gewalt, Krieg und drakonische Sank-tionen (welche die Zivilbevölkerung massiv belasten) werden von Politikern, Professoren und grossen Teilen der Bevölkerung als rationale "Lösungswege" proklamiert - friedliche Kooperation, Diplomatie und Bildung immer weniger.
Allein die Tatsache, dass Konzerne aufgrund des etablierten Wirtschaftssystems gezwungen sind, mangelhafte Produkte zu produzieren ("geplanter Verschleiss"), weil sie andernfalls im Kon-kurrenzkampf untergehen würden, beweist bereits: dieses Wirt-schafssystem ist grundsätzlich fehlerhaft und muss völlig neu gedacht werden. Statt aber dies zu tun und die Denkfehler zu be-richtigen, was die eigentliche Aufgabe von Universitäten wäre, zementieren sie die Fehler geradezu und wirken systemerhaltend, indem sie das durch die Tatsachen widerlegte Denken jeder neuen Studenten-Generation als "unumstössliche ökonomische Wahr-heiten" übermitteln. Kritisches Hinterfragen ist im Studium uner-wünscht; das wäre nur in einem unabhängigen Bildungswesen möglich; die heutigen Universitäten aber sind Teil des Systems und befinden sich gegenüber dem Staats- und Wirtschaftssystem in einem Abhängigkeitsverhältnis.
Gesellschaftlicher Fehlentwicklung kann folglich nur entgegen-gewirkt werden, wenn das Wissenschafts- Kultur- und Bildungs-wesen (im weitesten Sinne des Wortes das "Geistesleben") als ein unabhängiges drittes Gesellschaftsglied verwirklicht und aner-kannt wird, das sich unabhängig und selbstverwaltet neben die beiden anderen Hauptglieder des sozialen Organismus (Wirt-schaft und Staat) etabliert und in seiner Eigenständigkeit behaup-tet. Nur freie Professorinnen und Professoren, die weder bei Staat noch Wirtschaft angestellt sind oder von Superreichen gelenkt werden, können unabhängige Wissenschaft, Kunst und Aufklärung hervorbringen. Die Gesellschaft braucht freie Universitäten und Akademien, die selbstbestimmt und selbstverwaltet arbeiten. Nur sie können eine Wissenschaftskultur erzeugen, die sich der Wahr-heit verpflichtet fühlt - und dadurch den echten wirtschaftlichen und politischen Bedürfnissen der Menschen weit besser dient.
Unabhängige Forschung beginnt in jedem einzelnen Men-schen, in seinem eigenständigen Denken. Aber auch in seinem eigenständigen Fühlen und Wollen - zum Beispiel in dem Gefühl, dass in unserer Zivilisation derzeit einiges schief läuft. Unab-hängige Forschung kann nicht verordnet werden, die Initial-zündung findet im Innern jedes Menschen statt. Er vermag sein eigenes Denken, seinen eigenen Bildungsprozess aktiv in die Hand zu nehmen. Er kann beginnen, einen individuellen Erkenntnisweg zu gehen. Die freie Akademie möchte ein Ort sein, wo dies stattfinden darf. Aber sie braucht nicht der einzige Ort zu bleiben. Überall, in jeder Stadt, in jedem Quartier können kleine "freie Akademien" entstehen - Menschen, die sich zu Arbeitsgruppen zusammen-schliessen und beginnen, eigenständig zu recherchieren, einander aufzuklären und Projekte zu starten. So kann die Zündkraft des Geistes umfassend wirksam werden - die einzig wirklich trans-formatorische, (re-)evolutionäre Kraft.
Unabhängige Forschung beginnt bereits bei der geistigen Selbstbestimmung der Studierenden - ein zentraler Punkt, gerade hinsichtlich der angestrebten gesellschaftlichen Transformation. Es reicht nicht, wenn Professoren frei sind, auch Studierende müssen ein selbstbestimmtes "Studium unter eigener Leitung" (Humboldt) durchführen dürfen. Der Studierende ist bereits ein "unabhängiger Forscher" - und nur eine Universität, in der jeder Studierende ein unabhängiger Forscher sein darf, kann zum Zentrum gesellschaft-licher Transformation werden.
Einen interessanten Beitrag zu Aufklärung und unabhängiger Forschung leisten schon jetzt etliche Bürgerinitiativen auf den verschiedensten Gebieten des Lebens. Freie Akademien könnten mit ihnen zusammenarbeiten und bewusst machen, dass unabhängige Forschung ein ihnen allen gemeinsames Anliegen ist, der im Prozess gesellschaftlicher Neugestaltung eine Schlüsselfunktion zukommt.
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Der Wirtschaftsprofessor Dr. Christian Kreiß hat in seinen Büchern empirisch aufgezeigt, wie weit das Phänomen der "gekauften Wissenschaft" bereits vorangeschritten ist. Er berücksichtigt dabei vor allem die wirtschaftliche Beeinflussung, die staatliche weniger (hinter der bekanntlich häufig wiederum wirtschaftliche Interessen stehen (Lobbyismus)). Staatliche Beein-flussung (und damit Verfremdung) von Wissenschaft ist gerade bei explizit politischen Themen häufig gegeben, aktuell besonders beim Thema Krieg. Der Staat beeinflusst jedoch auch andere Wissensgebiete, beispielsweise die Umweltmedizin und die Toxikologie. Hier ein Beispiel dafür aus der Schweiz:
Prof. Dr. Meike Mevissen, seit 2002 Professorin für für Veterinär-Pharmakologie und -Toxikologie der Universität Bern, unter-suchte zusammen mit weiteren weltweit renommierten Forscher-innen und Forschern die Auswirkungen von Mobilfunk-strahlung auf Tiere. Sie berichtet im Interview mit «Infosperber» über die "Behinderung" ihrer Forschung durch Ämter und deren Bestreben, wichtige Erkenntnisse unter den Teppich zu kehren. "Unsere Forschung wurde behindert" sagt Mevissen, die seit deren Einrichtung im Jahr 2014 auch Mitglied der "Beratenden Expert-Innengruppe für nicht-ionisierende Strahlung" (Berenis) der Bun-desverwaltung ist. Sie äusserte unter anderem:
"Ja, am meisten störte mich, dass man uns ständig sagen wollte, wie wir unsere Arbeit zu machen hatten. Zuerst wollte uns der verantwortliche Experte für systematische Reviews der WHO, der selber noch nie an Tierstudien gearbeitet hatte, die Meta-Analyse der zu berücksichtigenden Studien abnehmen. Er wollte also für uns auswählen, welche Studien für die Beurteilung überhaupt infrage kamen. Doch dies war ja gerade eine wichtige Leistung von uns. Wir mussten uns ständig wehren, obwohl wir die weltbesten Leute zu diesem Thema beisammen hatten. Dies hat leider alles verzögert."
Mevissen führte weiter aus:
"In erster Linie wollte die WHO, dass wir alle augewählten Studien in einen Topf werfen und uns dann den Durchschnitt anschauen. Hier gibt es aber unterschiedliche Studienmodelle, Studien unterschiedlicher Tierarten, Geschlechter, die bekannter-massen auch unterschiedliche Ergebnisse bedingen. Daher sollte hier nicht eine Methodik verwendet werden, die das gar nicht berücksichtigt. Systematisches Vorgehen ist gut, aber dabei sollte man auch wichtige Erkenntnisse aus der experimentellen Krebsforschung und der Toxikologie nicht vergessen. Epidemio-logische Studien funktionieren zwar so, aber auch da ist die Heterogenität der Studien selbstverständlich problematisch. Man muss sich schon fragen, wie gut eine Studie ist und ihre Resultate entsprechend gewichten. Genauer gefragt: Kann ich einen gute Studie ignorieren? Ich weiss nur eines bei den Tierstudien. Man kann die so aufgleisen, dass man nichts findet, indem man ein statistisches Rauschen kreiert, welches relevante Effekte ver-schleiert. Wenn ich so vorgehen soll, muss ich gar nicht erst anfangen."
Abschliessend empfiehlt Mevissen:
"Wir sollten uns nur so viel Strahlung wie nötig aussetzen und die Geräte mit Mass nutzen. Darauf sollten wir insbesondere bei den Kindern achten. Es ist zwar schon praktisch und faszinierend, dass sie ruhiggestellt sind, wenn man ihnen ein Tablet in die Hand gibt. Aber wir kennen die Risiken noch zu wenig."
Die Forschung werde aus politischen Gründen behindert, so Mevissen:
"Gleichzeitig hat die Bevölkerung doch ein Recht darauf zu wissen, wie der derzeitige Stand der Forschung ist. Mich stört dabei, dass Institutionen, wie etwa das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz, ständig alles wegdiskutieren. Auch wenn die Effekte, die gefunden wurden, klein sind, kann man das auch so kommunizieren.
Das Bundesamt möchte, dass die Wissenschaft die Aussage macht, dass es keine Effekte gibt. Daraus folgt, dass sie keinen Entscheid treffen müssen, was offenbar, auch wenn es kleine Effekte sind, nicht gewollt wird. Die Forschung ist sehr politisch und wir sind immer wieder mit der Haltung konfrontiert, dass es keine Gesundheitsrisiken geben darf. Das behindert unsere Arbeit manchmal."
Quelle: Pascal Sigg, "Unsere Forschung wurde behindert" 16.01.2026 Infosperber:
https://www.infosperber.ch/politik/schweiz/unsere-forschung-wurde-behindert/
„Man nimmt naiverweise an, die Tatsache, dass die Mehrheit des Volkes bestimmte Ideen und Gefühle teilt, sei ein Beweis für die Gültigkeit dieser Ideen und Gefühle. Nichts liegt der Wahrheit ferner. Der allgemeine Konsens über die Gültigkeit hat als solcher mit Vernunft und seelischer Gesundheit überhaupt nichts zu tun. Genauso wie es eine folie à deux [eine gemeinsame Geistesstörung zweier Personen] gibt, gibt es eine folie à millions [eine gemeinsame Störung von Millionen].
Die Tatsache, dass Millionen von Menschen die gleichen Laster teilen, macht diese Laster nicht zu Tugenden; die Tatsache, dass sie so viele Irrtümer teilen, macht diese Irrtümer nicht zu Wahrheiten; und die Tatsache, dass Millionen von Menschen die gleiche Form der psychischen Pathologie teilen, macht diese Menschen nicht gesund.“
Erich Fromm
(aus seinem Buch «Wege aus einer kranken Gesellschaft»)