Freies Studium

Im Individualstudium
bis zum Diplom
Die Freie Akademie basiert auf dem Prinzip der individuellen Selbstbestimmung. Sie unterstützt jeden Impuls selbstbestimmten Studierens, Forschens und Schaffens. Sie kann ein Forum sein, in dem sich Menschen begegnen, die Interesse an dieser Form des Studierens haben, sowie für Forscher und Künstler, die frei schaffen möchten. Der freilassende Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Menschen, die auf diese Weise innerhalb des Geisteslebens tätigt sind oder sein möchten, ist bereits eine freie Akademie. Es können gemeinsame Projekte und Formen gegenseitiger Unterstützung entstehen.
Individual-Studium oder Weiterbildung
Wer ein Individual-Studium durchführen möchte, hat die Möglichkeit, sich an einen Mentor der Freien Akademie aus dem entsprechenden Fachbereich zu wenden (siehe Liste unten). Für allgemeine Fragen zur Freien Akademie, zum Individualstudium und dessen Möglichkeiten etc. gerne direkt an Ingo Hoppe wenden. Ein Individualstudium kann auch in einem Fachbereich begonnen werden, für den die Freie Akademie noch keinen Mentor anbieten kann.
Inwieweit sich die Zusammenarbeit mit dem Mentor gestaltet, bestimmen die jeweils Beteiligten in individueller Absprache. Die Aufgaben des Mentors können weitreichend sein oder sich auf weniges beschränken. Der Kontakt kann sich auf ein kurzes unverbindliches Gespräch reduzieren oder zu einem langjährigen Unterrichtsverhältnis entwickeln.
Grundsätzlich besteht die Aufgabe des Mentors darin, den Studierenden bei seinem individuellen, selbstbestimmten Bildungsweg in freilassender Weise zu unterstützen, zu beraten, gegebenenfalls auch zu unterrichten und - nach entsprechendem Leistungsnachweis - ein Zertifikat oder Diplom der Freien Akademie auszuhändigen. Fragen des finanziellen Ausgleichs werden in individueller Absprache direkt mit dem Mentor in gegenseitigem Einverständnis geregelt, ggf. vertraglich festgehalten.
Akademie-Gemeinschaft
Der Akademie-Impuls beinhaltet auch eine Gemeinschafts-Idee: eine Gemein-schaft, die mit Freiheit nicht in Widerspruch steht. Individuelle Freiheit verhindert echtes Gemeinschaftsleben nicht, sondern ermöglicht es erst. Herkömmliche Ausbildungsstätten hingegen erschweren oft beides: insofern keine individuelle Freiheit ermöglicht wird, kann auch keine richtige Gemeinschaftsbildung entstehen, die nur auf freilassender Begegnung beruhen kann. Solche "Gemein-schaften" sind in der Regel von Dozentenseite stark vorgeprägt, auf ein spezifisches Ziel ausgerichtet (Diplom) und zeitlich begrenzt (nach Abschluss der Ausbildung muss der Studierende die Ausbildungsstätte verlassen). Das kann durchaus sinnvoll sein und ist auch im Rahmen der freien Akademie möglich; aber sie strebt darüber hinaus eine andere, tiefergehende Art von Gemeinschaft an, die zeitlich nicht begrenzt sein muss und auf freiem gegenseitigen Interesse (Austausch) und geistiger Zusammenarbeit beruht.
Allgemeine Fragen zur Akademie und zum Studium: Ingo Hoppe, Kontakt: freieakademie@posteo.org
Mentoren, Dozenten und Ansprechpersonen nach Fachbereichen:
Anthroposophie: Christopher Schümann, post.schuemann@gmail.com
Angelika Oldenburg, oldenburg.angelika@gmx.de
Ingo Hoppe, freieakademie@posteo.org
Dominique Preg, dominiquepreg@posteo.ch
Architektur/Baukunst: Joachim Pfeffinger, jpfeffinger@icloud.com
Oldřich Hozman, arc@arc.cz
Consuelo Vallespir, mcvallespir@gmail.com
Astronomie: Frank Spaan, postfs@protonmail.com
Bildhauerei: Ubbo Enninga, info@ubbo-enninga.de
Biographiearbeit: Bettina Koepp, bettina.koepp@bluewin.ch
Erlebnispädagogik: Michael Birnthaler, birnthaler@eos-ep.de
Eurythmie: Christian Loch, christian.loch@gmx.ch
Ingo Hoppe, freieakademie@posteo.org
Christopher Schümann, post.schuemann@gmail.com
Silvan Schuler, silvan_schuler@bluewin.ch
Consuelo Vallespir, mcvallespir@gmail.com
Film, Schauspiel, Drehbuch: Andreas Heinrich, reichensteiner@gmail.com
Gärtnerei (biodynamisch): Daniel Gordon, farming.galilee@gmail.com
Gesang:
- Verena Krause, verenakrause@hotmail.com
- Olga Kranich, olga-kranich@web.de
Heileurythmie: Ursula Stiefvater, stiefvater@karneolverein-dornach.ch
Informatik: Martin Hoffmann, raupe@krdmail.org
Kleinodienkunst (Goldschmieden): Ulrike Vetter, Ulrike.Vetter.Kunst@gmail.com, 0049/7671/992657
Kunsttherapie: Barbara Steinmann, barbaramaria.steinmann@bluewin.ch
Medienkommunikation: Kurt Becker, keb@dr-keb.de
Medizin: Andreas Heisler, andreas.heisler@panaceha.ch
Michael Kübler, info@ganzmed.ch, https://ganzmed.ch/
Möbeldesign: Oldřich Hozman, arc@arc.cz
Musik:
- Gotthard Killian, gjk@posteo.de
- Olga Kranich olga-kranich@web.de
Philosophie: Ingo Hoppe, freieakademie@posteo.org.
Politische Philosophie: Kurt Becker, keb@dr-keb.de
Rechtswissenschaft: Gerald Brei, brei@vfs-partner.ch
Sozialkunst: Dominique Preg, dominiquepreg@posteo.ch
https://www.begegnungskunst.org
Sozialpädagogik: Holger Johannes Jahn, holger.jahn@bluewin.ch
Theologie: Michael Sölch, m.soelch@hotmail.com
Waldorfpädagogik (Kindergarten und Spielgruppen): Olga Kranich,
Studiengänge und Diplome
Grundsätzlich verleiht die Freie Akademie in Absprache mit den Mentoren Diplome in allen aufgeführten Fachbereichen, wenn entsprechende Leistungsnachweise erbracht werden. Da es sich durchweg um individuelle Studiengänge handelt, werden die Einzelheiten individuell besprochen und organisiert. Die Studienform des Individualstudiums ermöglicht einen freien, individuell zugeschnittenen Studienweg und erfordert ein hohes Maß an Eigeninitiative und Selbstdisziplin.
Ausserdem offeriert die freie Akademie derzeit auch zwei strukturierte Studien-gänge mit Diplom. Näheres dazu siehe auf dieser Website unter der Rubrik "Diplom-Studiengänge".
Infos zu den Mentoren und Ansprechpersonen
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Dr. iur. Gerald Brei, Rechtsanwalt, ist in der Schweiz und in Deutschland als Anwalt zugelassen, hat zahlreiche Publikationen im Kartellrecht veröffentlicht und hält regelmässig Vorträge in seinen Fachgebieten. Er war auch viele Jahre Schweizer Delegierter der ICC Competition Commission und dort Co-Chair der Task Force on Due Process. Kontakt: Tel: 079/823 99 41, E-Mail: brei@vfs-partner.ch
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Dr. phil. Kurt Becker, studierte politischen Wissenschaften, Soziologie, Psychologie, Philosophie und Pädagogik in Freiburg/Breisgau und Stuttgart. Tätig als Publizist, Rhetorik-Lehrer, Universitätsdozent, Kommunikationsberater und Managementcoach. Kontakt: keb@dr-keb.de, https://www.dr-keb.de/vita/
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Michael Birnthaler, Erlebnispädagogik, Kontakt: birnthaler@eos-ep.de
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Ubbo Enninga, Bildhauer, Kontakt: info@ubbo-enninga.de, Internetseite: https://www.ubbo-enninga.de/index2.php
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Dr. med. Andreas Heisler, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH mit Praxis in Ebikon, Schweiz, andreas.heisler@panaceha.ch, Tel.: 0041/0/41/440 30 80 oder 079/ 920 96 46
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Martin Hoffmann, Informatiker, Schwerpunkte: Datenschutz, persönliches und vernetztes Wissensmanagement, Expertise in Datenbanken und Linux. E-Mail: raupe@krdmail.org.
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Ingo Hoppe, Philosoph, Autor, Sozialtherapeut und (Lebens-)Künstler. Er studierte Philosophie und Geschichte in Basel (Bachelor of Arts), sowie Anthroposophie, Eurythmie und Bildhauerei in Den Haag und Dornach. Zuständig für allgemeine Fragen zur Akademie und zum Individualstudium, Kontakt: freieakademie@posteo.org; Tel: 0041/(0)61/701 56 33
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Oldřich Hozman studierte Architektur an der Kunstindustriellen Hochschule in Prag studiert. Der architektonischen Tätigkeit widmet er sich professionell seit dem Jahr 1989. In seine Entwurfszeichnungen integriert er die Prinzipien von Feng-Shui, Geomantie, Ökologie und organischen Bau. Er bemüht sich um die Durchsetzung der holistischen Wahrnehmung während der Erschaffung einer gesunden Umwelt und Architektur. Er hält Vorträge über neue Ansätze für die Verbindung der Architektur mit der Natur. Kontakt: arc@arc.cz, https://www.arc.cz/de/
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Holger Johannes Jahn, Dozent in Heil- und Sozialpädagogik, Biographie-arbeit, Teamentwicklung- und Beratung, Kontakt: holger.jahn@bluewin.ch
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Bettina Koepp, Studium der Germanistik und Italianistik in Basel, Tübingen und Köln, Oberstufenlehrerin, Ausbildung in Biographiearbeit bei Walter Seyffer und Joop Grün in Mannheim.
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Verena Krause, klassische Sängerin und therapeutische Sprachgestalterin, Mentorin für: Gesangs, Atem - und Auftrittscoaching sowie Sprache, En-semble und Chorgesang, Kontakt: verenakrause@hotmail.com, Tel.: 061/681 33215 oder 077 4017163
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Michael Kübler, Hausarzt mit eigener Praxis in Rheinfelden. Kontakt: info@ganzmed.ch, Website: https://ganzmed.ch/. Herr Kübler ist offen für Mediziner oder Studenten, die eventuell Interesse hätten, langfristig die Praxis zu übernehmen.
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Gotthard Killian, Cellist, Flötist. Musikalische Menschenkunde, Komposition, Kontakt: gjk@posteo.de
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Christian Loch, Eurythmist, Studium der Eurythmie in Dornach und Stuttgart, etliche Hauptrollen als Bühneneurythmist in mehreren Ensembles, Leitung des Widar-Eurythmie-Theaters, Forschung zu den spirituellen Grundlagen der Eurythmie, Kontakt: christian.loch@gmx.de, Tel: 077 203 52 83
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Angelika Oldenburg, Studium der Germanistik, Philosophie, Geschichte und Sozialen Arbeit. Besuch der Waldorflehrerseminare in Stuttgart und Kassel, Ausbildung in Biographiearbeit, 15 Jahre lang Oberstufenlehrerin an Waldorf-schulen in Deutsch und Geschichte, Redakteurin bei Info3, Öffentlichkeits-beauftragte des Arbeitszentrums Berlin der AGiD, Redakteurin einer eigenen Zeitschrift "mittendrin", z.Zt. Dozentin für Anthroposophie an der Freien Fachschule für Sozialpädagogik in Berlin.
Kontakt: oldenburg.angelika@gmx.de
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Dominique Preg, Studium an der Freien Kunstschule Hamburg, Studienstätte für Kunst, interdisziplinäre Forschung und soziale Plastik. Leitung eines Tonateliers als agogischer Mitarbeiter in der Arche im Nauen. Kontakt: dominiquepreg@posteo.ch, https://www.begegnungskunst.org
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Silvan Schuler, Eurythmist und Architekt, Mitwirkender bei zahlreichen Bühnenprojekten, berufstätig als Waldorflehrer für Eurythmie sowie als Kursleiter; lebt in Dornach, Ansprechperson für Eurythmie; Kontakt: silvan_schuler@bluewin.ch
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Dr. Frank Spaan, PhD Astronomie, Forschungsarbeiten unter anderem am Nationalen Luft- und Raumfahrtlaboratorium (NL), der Heriot-Watt University (Edinburgh) und am Space Research Centre (University of Leicester). Forschungen zur anthroposophischen Astronomie. Initiator und Berater des Elisabeth Vreede Instituts für Anthroposophische Astronomie: https://evreedeinstituut.nl/. Kontakt: postfs@protonmail.com
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Michael Sölch, Theologe (Bachelor in Bern und Grundstudium im Priesterseminar Stuttgart), Beschäftigung mit Edelstein-Theologie, Herausgeber des Evangeliums nach "Sanktum Germanum", Sprachkünstler in der Tradition der Marie-Steiner-Schule, ehemaliger Kampfkunstlehrer.
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Barbara Steinmann, Kunsttherapie, lic. phil.IMA of Arts, Kunst-Historikerin/Germanistin/Coach, Dipl. Kunsttherapeutin ED, Fachrichtung Intermedial, Kunsttherapie/Lehrtherapie/Supervision OdA ARTECURA, Praxis: Hirschgässlein 44, 4051 Basel, +41 61 331 82 43 / +41 76 566 04 67, barbaramaria.steinmann@bluewin.ch, Internetseite: https://www.studiengang-kunsttherapie.ch/. Durch die Zusammenarbeit mit Barbara Steinmann als Mentorin besteht ggf. die Möglichkeit, einen staatlich anerkannten Abschluss als Kunsttherapeut zu absolvieren. Kontakt: barbaramaria.steinmann@bluewin.ch
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Dr. Consuelo Vallespir Machado, Architektin, (Heil-)Eurythmistin, geboren 08.01.1963 in Chile. Iberischer Ursprung, spanische Staatsangehörigkeit, Dr. Architekt UPC Barcelona (Eurythmie in der Raumgestaltung), Eurythmie-Dozentin (1998–2022) an Schulen, Seminaren und Hochschulen (u. a. in Europa und Lateinamerika). Heileurythmistin (2000–2026) in therapeutische Praxis, Hausbesuche, (u. a. in Europa und Lateinamerika sowie künstlerische Eurythmistin (1998–2026) Auftritte in internationalen Ensembles (u. a. Else Klink Ensemble/Goetheanum, London Eurythmie Group) und eigene Projekte. Aktuell arbeitet sie in Dornach als Heileurythmistin und bereitet ein Eurythmie-Programm vor. Kontakt: mcvallespir@gmail.com, Telefon: 0041/ 0/ 767475526
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Vergleichbare Initiativen:
https://menschlichwirtschaften.de/wanderjahr/
https://www.dreigliederung.de/initiativen/forschungsstudium-soziale-dreigliederung
„Die Studierenden bewegen sich heute wirklich wie der Hamster im Laufrad, wie auf einer permanenten Hatz nach irgendwelchen Punkten, so genannten ECTS-Leistungs- punkten, die sie brauchen, um am Ende das Studium zu ab-solvieren. Das hat mit dem, was wir uns unter wissen-schaftlichen Studien vorstel- len, herzlich wenig zu tun."
Prof. Dr. Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbands
Quelle: „Nullnummer statt Turbo-Abschluss: der Bachelor“, ein Filmbericht von Nikolaus Steiner, Isabel Schayani und Lena Brochhagen, ausgestrahlt am 26.04.2012 in der Sendung «Monitor» im WDR1.
Auch von anthroposophischer Seite aus wurden interessante Forschungsergebnisse über Erwachsenenbildung vorgelegt, bei-spielsweise in dem Buch "Studium und Arbeit - Lernen im vierten Jahrsiebt" von Michael Brater und Michael Bockemühl, das von der "Gesellschaft für Ausbildungsfor-schung und Berufsentwicklung e.V. Mün-chen" veröffentlicht wurde. Der im Untertitel genannte Begriff "viertes Jahrsiebt" bezieht sich auf die bio-graphische Phase zwischen 21 und 28 Jahren. Nach anthroposophischer Auffassung muss sich die Pädagogik mit jedem Jahrsiebt fundamental ändern.
Vor allem der Wechsel vom dritten zum vierten Jahrsiebt ist entscheidend und erfordert einen Wandel der pädagogischen Grundhaltung um 180 Grad; denn am Beginn des vierten Jahrsiebts wird das "Ich" geboren, die Instanz der Selbstführung schlechthin. Dennoch werden die Studierenden in vielen Ausbildungsstätten häufig so unterrichtet, als befänden sie sich noch im dritten oder zweiten Jahrsiebt.
Michael Brater hat das damit verbundene Bildungsproblem in genanntem Buch wie folgt erläutert:
"Wir sahen oben, dass es wichtig und altersangemessen ist, wenn junge Erwach-sene ihren Lernprozess selbst in die Hand nehmen und ihn selbst verantworten. In diesem Leben-salter konstituiert nicht eine Ausbildungsinstitution oder ein Ausbil-dungsgang die Einheit des Lernprozesses, sondern die individuelle Biographie.
Damit kann jede Studienstätte an der Frage geprüft werden, ob sie individuelle Lern-biographien zulässt, in denen die einzelne Ausbildungsstätte einen bestimmten Teil-schritt darstellt, oder ob sie – tendenziell – mit ihren Studiengängen einheitliche und dem Anspruch nach vollständige Lernschablonen vorgibt, nach denen die individuellen Lernen-den geformt werden sollen. Das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert, aber die ent-scheidende Frage des Lernens in diesem Alter ist, ob der Lernende selbst Subjekt seines Lernweges ist – und so z.B. zu ganz individuellen Fähigkeitsprofilen kommt -, oder ob die Experten der Ausbildungsstätten ihm vorschreiben, was er zu lernen hat, um dies oder jenes zu werden.
Hochschulstudiengänge werden heute in der Regel – auch an anthroposophischen Bildungsstätten – nicht viel anders konzipiert als schul-ische Lehrgänge: Erwachsene bzw. ´kompetente Fachleute´ entwickeln einen Lehrplan, der jetzt ´Studiengang´ heisst, in den sie diejenigen Inhalte und Stoffe in derjenigen Reihenfolge hineinkomponieren, die sie für das Er-reichen eines bestimmten Lernzieles für richtig und notwendig erachten [...] Verschulte Lehrpläne und durchgegliederte Studien- und Prüfungs-ordnungen lassen aber keine Eigenent-scheidung, kein selbstgesteuertes Lernen zu, sondern schreiben genau vor, was einer wann zu lernen hat, wenn er einen bestimmten Abschluss erreichen möchte.
Dabei stellt sich hier keine organisatorische oder praktische Frage, sondern eine tiefe bildungsphilosophische: Den Lernbedürfnissen und –möglichkeiten im vierten Jahrsiebt in Form einer weit-gehenden Individualisierung, Entstruk-turierung, Selbstgestaltung des Lernweges zu entsprechen, hiesse, darauf zu setzen, dass jeder Mensch mit ganz individuellen Anlagen und Entwicklungsmöglichkeiten ausgestattet ist, die er zu einer ihn individuell charakterisierenden Fähigkeits-gestalt ausbilden soll, mit der er dann seinen Platz im Leben individuell – als derjenige, der er ist – ausfüllen kann. Standardisierte Studiengänge in diesem Lebensalter be-ruhen dagegen auf der impliziten Grundannahme der Formbarkeit und For-mungsbedürftigkeit der persönlichen Fähig-keitsprofile nach von aussen kommenden, nicht aus der individuellen Person selbst genommenen Massstäben. Dabei ist es wohl unnötig zu betonen, dass die Individua-lisierung selbstverständlich nicht für die Inhalte des Lernens gelten kann, die objektiv gegeben sind [...], sondern nur für dessen Form: für die Zusammensetzung und Reihenfolge der Inhalte, für die Verbind-lichkeit des Stoffkanons, für die Abgrenzung der einzelnen Studienrichtung, für die Zu-gangsweise usw.
Jeder vorgeplante, inhaltlich fixierte, zeitlich vorgeschriebene Lernweg muss zwangs-läufig in Widerspruch geraten zu dem eher anarchischen, selbstbezogenen Lern-verhalten der Zwanzigjährigen. Jeder, der in solchen Bildungseinrichtungen mit relativ starren Studiengängen tätig ist, weiss davon ein Lied zu singen, wie sich dieses Span-nungsverhältnis in latenter Revolte, in permanenter Kritik, in immer wiederkeh-render Bereitschaft zur Veränderung des Studienganges, in endlosen Diskussionen über dessen Aufbau, in Grundsatzdebatten über die Verbindlichkeit des Lernangebots usw. ausdrückt. [...]
Die alte Studierfreiheit an den Universitäten war der alterstypischen Lernsituation also durchaus angemessen, ebenso der Grund-satz, dass es ganz gleich ist, auf welchen Wegen einer sein Wissen und Können erworben hat, wenn es nur den Prüfungsordnungen entspricht. Im Grunde ist die altersangemessene Lernforderung aber noch viel radikaler:
Was gelernt werden soll, soll sich gar nicht aus vorgeordneten Qualifikations- und Abschlussprofilen ergeben, sondern aus den individuellen Lernimpulsen des Studieren-den. Dieser möchte sich selbst sein ´Qualifi-kationsprofil´ zusammensuchen und zusam-menstellen, gleichsam ´á la carte´. Es muss möglich sein, den ganz individuellen Inten-tionen und Impulsen Raum zu geben, und es muss vor allem die Steuerung des Lern-prozesses – Auswahl, Kombination und Reihenfolge usw. – dem Lernenden selbst überlassen bleiben (wenn er sich dabei selbstverständlich auch jederzeit den Rat erfahrender Fachleute holen kann und holen sollte)." (Zitiert aus: Michael Brater, Michael Bockemül, "Studium und Arbeit - Lernen im vierten Jahrsiebt", 1988 Stuttgart, Verlag Freies Geistesleben).
Anmerkung:
Es dürfte selbstverständlich sein, dass das Prinzip der individuellen Selbstbestimmung, das Brater und Bockemühl für das Lernen im vierten Jahrsiebt als "altersangemessen" beschreiben, in noch stärkerem Masse für die späteren Jahrsiebte altersangemessen ist (ab 28 aufwärts). Nicht altersangemessen ist es nur für die ersten drei Lebens-jahrsiebte.
Es soll hiermit nicht verneint werden, dass es unter gewissen Gegebenheiten dennoch sinnvoll sein kann, wenn Dozierende einen inhaltlich vorgeprägten Ausbildungsplan ers-tellen. Das ist auch im Rahmen der Freien Akademie sehr wohl möglich. - Allerdings ist es aufgrund der von Brater/Bockemühl dargelegten Gründe wünschenswert, wenn in solchen Ausbildungszusammenhängen für einzelne Studierende, die das Bedürfnis danach haben, dennoch die Möglichkeit besteht, vollständig individuelle Studien-wege zu gehen. Mit einem Wort: das eine sollte das andere nicht gegenseitig aus-schliessen.
„Alles ist gesundend, was den Menschen veranlasst, sich zum Mittelpunkt von schaffender, von produktiver Kraft zu machen. Er soll von innen heraus schaffen, sonst verödet seine produktive Kraft, und seine ganze Wesenheit wird durch die äusseren Eindrücke zusammengepresst.“ Rudolf Steiner
Zitiert nach: Der Krankheitswahn im Lichte der Geisteswissenschaft, Vortrag vom 03.12.1907, München, Seite 200 (GA56
